Wer bin ich?
Wer bin ich überhaupt? Und warum mache ich das hier eigentlich?
Freiheit auf zwei Rädern.
Jede Tour erzählt ihre eigene Geschichte.
Wer bin ich überhaupt? Und warum mache ich das hier eigentlich?
Wie kam ich zum Radfahren? Was hat mich dazu bewegt? Was hat sich geändert? Was ist geblieben?
Sicherheit, Rücksicht und Respekt gehören dazu, immer.
Ride what you want, wear what you want, use what you want. - Das ist mein Equipment.
Ist das nicht langweilig? Macht das überhaupt Spaß?
Schlechte Tage gehören dazu... Man kann nicht alles erzwingen...
Ich war noch nie besonders gut darin, mich selbst zu beschreiben.
Vielleicht, weil Menschen nicht nur aus einem einzigen Satz bestehen. Und vielleicht auch, weil sich vieles im Leben mit der Zeit verändert.
Was allerdings geblieben ist: Ich war schon immer jemand, der draußen mehr Ruhe findet als drinnen.
Ich mag lange Straßen ohne Verkehr. Kalte Morgenluft. Sonnenaufgänge, wenn noch alles still ist. Das Geräusch von Reifen auf Asphalt oder Schotter. Musik auf den Ohren während einer endlosen Tour. Diese kleinen Momente, die für andere vielleicht völlig unscheinbar wirken, sich für mich aber genau richtig anfühlen.
Ich fahre gerne lange Touren ohne festen Plan. Einfach losfahren und unterwegs entscheiden, wo es hingeht. Manchmal entstehen genau daraus die besten Strecken und die schönsten Erinnerungen.
Dabei geht es mir nicht darum, der Schnellste zu sein oder irgendwelche Rekorde zu sammeln. Natürlich freue ich mich über Fortschritte und lange Distanzen. Aber viel wichtiger ist für mich das Erlebnis selbst.
Der Kopf wird ruhig.
Gedanken sortieren sich plötzlich von allein.
Und irgendwo zwischen Gegenwind, Sonnenuntergang und leeren Straßen merkt man manchmal, wie wenig man eigentlich braucht, um zufrieden zu sein.
Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum mich das Radfahren bis heute nicht loslässt.
Es verbindet vieles, was ich mag:
Bewegung, Ruhe, Natur, Freiheit, Musik, Abenteuer und dieses Gefühl, einfach unterwegs zu sein.
Und wahrscheinlich bin ich genau das inzwischen am meisten:
Jemand, der unterwegs gerne zuhause ist.
Eigentlich begann alles mit meinen Knien.
Entzündungen darin wurden Anfang 2016 so schlimm, dass selbst normales Laufen irgendwann kaum noch möglich war. Mehrere Operationen brachten keine wirkliche Verbesserung. Erst nach einer nuklearmedizinischen Behandlung im Jahr 2018 ging es langsam wieder bergauf.
In genau dieser Zeit begann auch das Radfahren.
Anfangs einfach nur, um die Knie in Bewegung zu halten und die Beinmuskulatur wieder aufzubauen. Später half mir ein E-Bike dabei, überhaupt längere Strecken und Steigungen fahren zu können. Und genau dort entstand langsam die Begeisterung fürs Fahrradfahren.
Aus kleinen Touren wurden immer größere.
Es folgten Mountainbikes, Bikeparks, Trails und Urlaube in den Alpen. Eine Zeit voller Adrenalin, Herausforderungen und persönlicher Entwicklung.
Doch irgendwann veränderte sich etwas.
Das Bedürfnis nach „höher, schneller, weiter“ wurde immer kleiner. Stattdessen rückte etwas anderes immer mehr in den Vordergrund: das Erlebnis selbst.
Lange Touren. Ruhe. Landschaften. Leere Straßen am Morgen. Einfach unterwegs sein.
Mit dem Gravelbike fand ich schließlich genau das, was ich am Radfahren heute am meisten liebe.
Nicht Wettbewerb oder Leistung.
Sondern Freiheit.
Heute geht es für mich nicht mehr darum, möglichst schnell zu fahren oder irgendwem etwas zu beweisen.
Das Fahrrad muss nur noch eins:
Spaß machen.
Für mich war Radfahren nie nur Sport.
Natürlich geht es um Bewegung, Fitness, Touren und Abenteuer. Aber genauso wichtig ist für mich auch, wie man unterwegs mit anderen Menschen, mit der Natur und letztlich auch mit sich selbst umgeht.
Deshalb gibt es beim Fahren ein paar Dinge, die für mich selbstverständlich geworden sind.
Ich fahre immer mit Helm.
Nicht, weil ich Angst habe, sondern weil Sicherheit für mich einfach dazugehört. Genauso wie Rücksicht und Respekt.
Egal ob andere Radfahrer, Fußgänger, Autofahrer oder Tiere irgendwo am Wegesrand — wir alle teilen uns denselben Raum. Und genau deshalb versuche ich, so unterwegs zu sein, dass sich niemand durch mich gestört oder gefährdet fühlt.
Wenn wenig Platz ist, warte ich eben kurz. Wenn jemand unsicher wirkt, nehme ich Tempo raus. Ich verzichte auch einfach mal auf meine Vorfahrt, weil ein entspanntes Miteinander wichtiger ist als darauf zu bestehen, im Recht zu sein.
Genauso selbstverständlich ist für mich auch ein kleines Dankeschön.
Ein kurzer Handgruß an Autofahrer, die warten oder Platz machen. Freundlichkeit kostet nichts und macht vieles angenehmer — gerade im Straßenverkehr, wo oft genug Hektik und Stress herrschen.
Mit der Natur sehe ich es ähnlich.
Ich bleibe auf den Wegen, lasse keinen Müll zurück und versuche, Tiere nicht unnötig zu stören. Gerade auf langen Gravel-Touren merkt man irgendwann, wie besonders viele dieser Orte eigentlich sind. Wälder, Feldwege, ruhige Landschaften oder kleine Straßen irgendwo im Nirgendwo sind keine Selbstverständlichkeit.
Vielleicht genieße ich genau deshalb diese Ruhe heute so sehr.
Am Ende geht es für mich nicht darum, möglichst laut, schnell oder rücksichtslos unterwegs zu sein. Sondern darum, Teil dieser Umgebung zu sein, ohne sie negativ zu beeinflussen.
Denn Radfahren macht nicht nur wegen der Strecken Spaß.
Sondern auch wegen der Art, wie man unterwegs ist.
Bevor ich mein Equipment vorstelle, ist mir eine Sache wichtig:
Jeder sollte genau das fahren und nutzen, was zu ihm selbst passt — nicht das, was gerade besonders teuer, angesagt oder „richtig“ ist.
Am Ende zählt nicht der Preis des Equipments, sondern der Spaß am Radfahren.
Cube Nuroad Race (HPA) Aluminium, Größe S (53 cm)
Hammerhead Karoo 2
Je nach Tour / Verwendung:
Wenn ich erzähle, dass ich die meisten meiner Touren alleine fahre, bekomme ich oft dieselbe Frage gestellt:
"Ist das nicht langweilig?"
Die Antwort lautet ganz klar: Nein.
Tatsächlich genieße ich das Alleinfahren sogar sehr.
Nicht, weil ich etwas gegen andere Menschen hätte. Ganz im Gegenteil. Aber auf dem Fahrrad schätze ich etwas, das im Alltag oft selten geworden ist: Ruhe.
Wenn ich alleine unterwegs bin, kann ich spontan entscheiden, wo es hingeht. Ich kann anhalten, wenn mir eine Aussicht gefällt. Ich kann einen Umweg fahren, weil ein Weg interessant aussieht. Oder einfach irgendwo stehen bleiben und den Moment genießen.
Es gibt keinen Zeitplan und keine Erwartungen.
Nur die Straße, der Weg vor mir und die Gedanken, die mitfahren.
Manchmal denke ich während einer Tour über Dinge nach. Manchmal denke ich an gar nichts. Oft verschwinden Gedanken, die mich vorher beschäftigt haben, ganz von selbst.
Gerade auf langen Fahrten entsteht eine besondere Form von Freiheit.
Nicht die Freiheit, möglichst schnell zu sein oder möglichst weit zu fahren. Sondern die Freiheit, einfach unterwegs zu sein.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich so gerne alleine fahre.
Es geht nicht darum, allein zu sein.
Es geht darum, Raum für sich selbst zu haben.
Und manchmal sind die schönsten Gespräche die, die man unterwegs mit den eigenen Gedanken führt.
Als ich mit dem Radfahren begann, ging es eigentlich nur darum, meine Knie wieder in Bewegung zu bringen. Damals hätte ich nicht gedacht, dass mich das Fahrrad weit mehr lehren würde als nur Ausdauer oder Fitness.
Heute wird oft erwartet, dass alles möglichst schnell funktioniert. Beim Radfahren habe ich gelernt, dass viele Dinge nur durch Geduld entstehen. Nicht jede Tour ist besser als die vorherige. Nicht jeder Tag fühlt sich stark an. Aber wenn man dranbleibt, kommt man trotzdem voran.
Viele der Dinge, die ich heute kann, sind nicht durch einzelne besondere Momente entstanden. Sie sind das Ergebnis vieler kleiner Fahrten, vieler unscheinbarer Kilometer und vieler Tage, an denen ich einfach nur unterwegs war.
Manchmal läuft es gut. Manchmal eben nicht. Manchmal sind die Beine schwer, das Wetter schlecht oder die Motivation fehlt. Früher hätte mich das vielleicht mehr geärgert. Heute weiß ich, dass solche Tage genauso dazugehören wie die guten.
Irgendwann habe ich aufgehört, ständig nach dem Nächsten zu suchen. Höher. Schneller. Weiter. Stattdessen habe ich begonnen, den Moment selbst mehr zu schätzen. Die Landschaft. Die Ruhe. Die Bewegung. Das Unterwegssein. Am Ende hat mich das Radfahren nicht nur körperlich verändert. Es hat mir gezeigt, wie viel man erreichen kann, wenn man geduldig bleibt, seinen eigenen Weg fährt und lernt, auch die kleinen Dinge zu genießen.
Die Sauerland / Oberberg Tour 2026, meine kleine Zeitreise
Eine Tour der besonderen Art
Es war nur die Notlösung für eine Tour, die nicht statt fand, aber sie wurde besser mit jedem Kilometer.
Neue Gels wollen ausprobiert werden.
Nach langer Zeit wieder am Biggesee.
Eine schöne Tour mit einem frostigen Start in Kurz / Kurz.
Jede Menge Anstiege, sagenhafte Abfahrten und ein landschaftlich einmaliges Erlebnis.
Gipfel sammeln mit Komoot mutiert zur Durchschlageübung.
DAS Gravel-Event in Kiel und Kieler Umland
Eigentlich sollte es nur eine weitere Runde um den Biggesee werden. Doch aus einer spontanen Idee entstand eine ganz besondere Tour. Eine gute Freundin, die ich seit 19 Jahren nicht mehr gesehen hatte, brachte mich auf den Gedanken, die Strecke bis ins Oberbergische zu verlängern und sie zu besuchen. Gesagt, getan.
Schon kurz nach dem Start begann die Reise in die Vergangenheit. In Finnentrop kam ich an der Tennishalle vorbei, in der ich vor fast 40 Jahren mit dem Tennisspielen begonnen hatte. Wenig später folgte der Biggedamm, an dem wir früher viele Sommerabende mit Freunden verbracht haben. Auch die Personenschiffe auf dem Biggesee weckten Erinnerungen an meine Kindheit.
Im Oberbergischen angekommen war das Wiedersehen nach 19 Jahren schon ein besonderes Gefühl. Umso schöner war es festzustellen, dass sich manche Menschen offenbar nie wirklich verändern. Die Offenheit, Herzlichkeit und die gemeinsamen Erinnerungen ließen die vergangenen Jahre plötzlich ganz klein erscheinen.
Auf der Rückfahrt war ich gedanklich noch immer bei diesem Treffen. Die Landschaft war wunderschön, doch meine Gedanken waren längst woanders. Erst am Biggesee angekommen, wurde mir bewusst, wie schnell die Zeit vergangen war.
Zum Abschluss führte mich die Tour noch hinauf zum Biggeblick. Der Ausblick auf den Biggesee und mein Heimatdorf Neu-Listernohl war der perfekte Schlusspunkt. Dennoch machte ich noch einen kleinen Abstecher zur Burgruine Waldenburg und zur Kapelle Waldenburg – einem Ort, den ich schon als Kind gemeinsam mit meinem Opa mit dem Fahrrad besucht habe.
Am Ende standen 124 Kilometer und 1.650 Höhenmeter auf dem Tacho.
Doch in Erinnerung bleiben nicht die Zahlen, sondern die Orte, die Menschen und das Gefühl, dass manche Verbindungen und Erinnerungen selbst nach vielen Jahren nichts von ihrer Bedeutung verlieren.
Als ich morgens kurz nach Sonnenaufgang startete, lag die Landschaft noch in kühler Morgenluft. Die ersten Kilometer führten über bekannte Wege entlang von Else, Werre und Weser. Strecken, die ich schon unzählige Male gefahren bin und die mittlerweile eher als Transfer dienen. Erst hinter Porta Westfalica begann für mich das eigentliche Abenteuer.
Mit jedem Kilometer wurde die Umgebung unbekannter. Die Altstadt von Bückeburg war das erste Highlight des Tages. Es war erst acht Uhr morgens, die Fußgängerzone nahezu leer und die Cafés noch geschlossen. Zwischen Schloss, Rathaus und den ruhigen Straßen herrschte eine besondere Atmosphäre, die man nur in den frühen Morgenstunden erlebt.
Über Stadthagen ging es weiter Richtung Hannover. Ein Abschnitt entlang der B65, vor dem ich ursprünglich etwas Respekt hatte, entwickelte sich überraschend zu einem der angenehmsten Teile der Tour. Der gut ausgebaute Radweg verlief abseits der Straße durch weite Felder, kleine Ortschaften und eine offene Landschaft, die nie langweilig wurde.
Kurz vor Hannover fiel mir zum ersten Mal auf, wie gut die Stadt auf den Radverkehr vorbereitet ist. Breite Radwege, eigene Ampeln und eine Infrastruktur, von der viele Städte nur träumen können. Noch schneller als erwartet erreichte ich die Heinz von Heiden Arena und wenig später das Neue Rathaus. Spätestens dort wurde mir bewusst, welche Strecke bereits hinter mir lag. Fast 100 Kilometer waren geschafft, ohne dass es sich körperlich danach anfühlte.
Das Neue Rathaus und der Maschteich gehörten für mich zu den schönsten Orten der Tour. Die Spiegelung des Gebäudes im Wasser, die Ruhe am Vormittag und die wenigen Menschen vor Ort machten diesen Moment besonders. Auch die anschließende Runde um den Maschsee war angenehm zu fahren. Die dort angelegten Velorouten zeigen eindrucksvoll, wie moderner Radverkehr aussehen kann.
Für den Rückweg hatte ich bewusst ruhigere Wege gewählt. Entlang von Kanälen, durch Waldstücke und über Schotterabschnitte führte die Strecke wieder hinaus aufs Land. Die Landschaft wechselte ständig, der Verkehr spielte kaum eine Rolle und die Stunden vergingen beinahe unbemerkt.
Als ich am Nachmittag erneut durch Bückeburg fuhr, hatte sich die Stadt verändert. Die zuvor leeren Straßen waren nun voller Menschen. Cafés und Restaurants waren gut besucht und überall herrschte entspannte Sommerstimmung. Es war derselbe Ort wie am Morgen und wirkte doch vollkommen anders.
Erst kurz vor Porta Westfalica kündigten dunkle Wolken das Ende des perfekten Wetters an. Ein kurzer Regenschauer und kräftiger Wind begleiteten die letzten Kilometer. Wirklich stören konnten sie die Stimmung jedoch nicht mehr.
Die letzten zehn Kilometer vergingen beinahe automatisch. Der Körper fuhr weiter, während der Kopf die Eindrücke des Tages verarbeitete. Als ich schließlich wieder zu Hause ankam, standen 207 Kilometer auf dem Tacho.
Was bleibt, ist nicht die Zahl. Es sind die Erinnerungen an einen langen Sommertag, an unbekannte Wege, an die morgendliche Stille in Bückeburg und an das Gefühl, eine Stadt wie Hannover aus eigener Kraft erreicht zu haben.
Der 21. Juni 2025 war bewusst gewählt. Nicht wegen eines besonderen Ziels, sondern weil es der längste Tag des Jahres war.
Eigentlich hatte ich über sechs Monate hinweg eine ganz andere Tour geplant. Sie sollte an der Nordsee enden und war als gemeinsames Erlebnis gedacht. Kurz vor dem Start änderten sich die Umstände jedoch unerwartet und plötzlich stand fest, dass ich allein fahren würde. Damit verlor auch die ursprüngliche Idee ihren Reiz. Also entstand nur wenige Tage vor dem Termin eine neue Route – spontan, unkompliziert und ohne große Erwartungen.
Noch vor Sonnenaufgang startete ich von zu Hause in Richtung Osten. Die Luft war angenehm kühl, leichter Nebel lag über den Feldern und die Straßen waren nahezu menschenleer. über Bad Oeynhausen, Porta Westfalica und Minden führte die Strecke zunächst entlang des Wiehengebirges. Die ersten Kilometer vergingen fast wie von selbst. In den frühen Morgenstunden hatte man das Gefühl, die Welt gehöre einem allein.
Hinter Minden änderte sich die Richtung. Nun ging es entlang des Mittellandkanals nach Westen. Kleine Ortschaften wechselten sich mit weiten Feldern und Wiesen ab. Der Verkehr wurde immer weniger und die Landschaft immer ruhiger. Den geplanten Zwischenstopp nach etwa 50 Kilometern ließ ich aus. Die Vorräte waren noch vollständig und die Beine fühlten sich gut an.
Kurz vor Venne erreichte ich den westlichsten Punkt der Tour. Gleichzeitig standen bereits knapp 100 Kilometer auf dem Tacho. Nach einem kurzen Halt an einer Tankstelle in Schwagstorf, um die Trinkflaschen aufzufüllen, begann der Rückweg.
Was auf der Karte harmlos aussah, fühlte sich zunächst überraschend schwer an. über viele Kilometer führte die Strecke kaum sichtbar, aber stetig bergauf. Die Beine wurden schwerer und zum ersten Mal kamen Zweifel auf, ob die geplante Distanz vielleicht doch etwas zu ambitioniert war. Doch nach etwa 20 Kilometern geschah etwas, das viele Langstreckenfahrer kennen: Der Körper akzeptierte die Herausforderung. Die Anstrengung trat in den Hintergrund, die Bewegungen wurden wieder flüssig und plötzlich fühlte sich alles deutlich leichter an.
über Bad Essen, Buer, Bruchmühlen und Ahle näherte ich mich schließlich wieder meiner Heimat. Die ursprünglich geplanten 138 Kilometer waren fast geschafft. Doch kurz vor dem Ziel entstand ein neuer Gedanke: Warum jetzt aufhören?
Die Beine fühlten sich noch erstaunlich gut an und der längste Tag des Jahres war noch lange nicht vorbei. Also schaltete ich den Radcomputer stumm, verließ die geplante Route und fuhr einfach weiter. Ohne Zeitdruck. Ohne Ziel. Einfach, weil es sich richtig anfühlte.
Als ich schließlich wieder zu Hause ankam, standen 164 Kilometer auf dem Tacho – über 100 Meilen.
Was als Ersatz für eine abgesagte Tour begonnen hatte, wurde zu einer der schönsten und wichtigsten Fahrten des Jahres. Nicht wegen der Distanz, sondern weil sie mir gezeigt hat, dass manchmal die ungeplanten Wege die besten sind.
Und obwohl 164 Kilometer bis dahin meine längste Tour waren, blieb am Ende weder Erschöpfung noch Müdigkeit zurück. Nur das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben – und ein Lächeln, das noch lange anhielt.
Manche Touren plant man wochenlang. Andere beginnen einfach mit einem schönen Morgen und der Lust, ein paar Stunden auf dem Rad zu verbringen.
Als ich kurz nach Sonnenaufgang startete, zeigte das Thermometer angenehme 12 °C. Der Himmel war wolkenlos und die Sonne begleitete mich vom ersten bis zum letzten Kilometer. Die Route führte zunächst über ruhige Straßen durch Löhne und Bad Oeynhausen bis zur Weser. Um den gewohnten Wegen etwas Abwechslung entgegenzusetzen, hatte ich bewusst eine andere Streckenführung gewählt. Das zahlte sich aus. Die Straßen waren nahezu leer und die Welt schien noch zu schlafen.
Über Veltheim, Rinteln, Steinbergen und Bad Eilsen führte die Strecke durch weite Landschaften, kleine Ortschaften und über einige sanfte Anstiege. Große Sehenswürdigkeiten gab es an diesem Tag kaum. Dafür genau das, was ich auf vielen Touren besonders schätze: Ruhe, Bewegung und das Gefühl, einfach unterwegs zu sein.
Am Gevattersee legte ich die erste kurze Pause ein, bevor es über schmale Waldwege weiter Richtung Minden ging. Die gesperrte Glacisbrücke sorgte zwar für einen kleinen Umweg, wirklich stören konnte das den Tag jedoch nicht. Das Wetter war perfekt und die Beine fühlten sich gut an.
Unterwegs testete ich außerdem neue Energie-Gels. Die ersten Varianten waren angenehm fruchtig und unauffällig. Später folgte dann die koffeinhaltige Version. Ob es tatsächlich daran lag, lässt sich im Nachhinein schwer sagen. Tatsache ist jedoch, dass der ursprünglich geplante Heimweg plötzlich deutlich weniger interessant erschien.
Nach rund 105 Kilometern wäre die Tour eigentlich beendet gewesen. Doch anstatt nach Hause abzubiegen, schaltete ich den Radcomputer stumm, ignorierte die geplante Route und fuhr einfach weiter. Die Entscheidung fiel spontan und fühlte sich sofort richtig an.
Meine Hausrunde sollte den zweiten Teil des Tages bestimmen. Über Bünde, Bruchmühlen und den Segelflugplatz in Melle führte die Strecke weiter durch Felder, über ruhige Straßen und durch kleine Ortschaften. Es war einer dieser Momente, in denen das Radfahren beinahe mühelos wirkt und jeder zusätzliche Kilometer eher ein Geschenk als eine Anstrengung ist.
Erst am Hücker Moor wurde die Ruhe kurz unterbrochen. Autos, Parkplatzsuchende und überfüllte Straßen sorgten für einen deutlichen Kontrast zu den ansonsten stillen Wegen des Tages. Umso lieber setzte ich die Fahrt über Werfen und Hunnebrock fort.
Als ich schließlich wieder zu Hause ankam, standen 148 Kilometer auf dem Tacho. Aus einer geplanten 105-Kilometer-Runde war meine bis dahin zweitlängste Tour geworden.
Ob die zusätzlichen Kilometer wirklich dem Koffein-Gel zu verdanken waren, bleibt wohl ein Geheimnis. Der Titel dieser Tour war damit jedenfalls schnell gefunden: Powered by Sticky Decisions.
Manche Touren führen zu neuen Orten. Andere führen zurück.
Als ich im Juli 2024 früh am Morgen am Biggesee ankam, war es mehr als zwölf Jahre her, seit ich zuletzt hier gewesen war. Die Vorfreude war groß, doch was mich an diesem Tag erwartete, hatte ich so nicht geplant.
Schon die Anfahrt durch Finnentrop und Heggen fühlte sich vertraut an. Vieles sah noch genauso aus wie früher. Als schließlich das Ortsschild von Attendorn auftauchte, stellte sich ein Gefühl ein, das sich nur schwer beschreiben lässt. Fremd und vertraut zugleich.
Mein Ausgangspunkt war die Waldenburger Bucht. Direkt neben dem Parkplatz steht die kleine Waldenburger Kapelle. Sie war der erste Ort, den ich an diesem Morgen aufsuchte. Als Kind war ich oft mit meinem Großvater dort. Damals fühlte sich die kurze Strecke dort hin wie ein großes Abenteuer an. Viele Jahre später wieder vor dieser Kapelle zu stehen, war einer der bewegendsten Momente des gesamten Tages.
Von dort aus führte mich die Tour einmal rund um den Biggesee und die Listertalsperre. Der gut ausgebaute Radweg schlängelte sich entlang des Wassers, durch Wälder und vorbei an Orten, die längst in Vergessenheit geglaubte Erinnerungen zurückbrachten. Das Vorstaubecken bei Bremge, das Freibad in Olpe, die Fahrgastschiffe in Sondern oder die Listertalsperre – überall warteten kleine Fragmente der Vergangenheit.
Dabei waren es oft keine großen Ereignisse, an die ich mich erinnerte. Es waren Momente, Begegnungen, Gespräche, Sommertage am Wasser, Fahrradtouren, Inlineskates, Freunde und Menschen, die einen Teil meines Weges begleitet hatten.
Zwischendurch zog ein kurzer Regenschauer über den See hinweg. Doch wenige Minuten später schien bereits wieder die Sonne. Die Luft war frisch, der Wald roch nach Regen und die Landschaft zeigte sich von ihrer schönsten Seite.
Je weiter die Tour fortschritt, desto stärker wurde mir bewusst, wie sehr ich diese Gegend unterschätzt hatte. Viele Jahre lang war sie einfach nur Heimat gewesen. Erst mit dem Abstand der Zeit erkannte ich, wie außergewöhnlich dieser Ort eigentlich ist.
Besonders ein Aussichtspunkt hoch über dem Biggesee ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Das Wasser, die Hügel und die Weite der Landschaft waren so beeindruckend, dass ich minutenlang einfach nur stehen blieb. Kein Foto konnte festhalten, was ich in diesem Moment empfand.
Als ich am Mittag wieder zur Waldenburger Bucht zurückkehrte, hatte ich nicht nur eine wunderschöne Radtour erlebt. Ich hatte auch einen Ort wiedergefunden, den ich längst hinter mir gelassen glaubte.
Seitdem kehre ich jedes Jahr an den Biggesee zurück.
Nicht nur wegen der Landschaft.
Sondern weil sich manche Orte irgendwann nicht mehr wie ein Reiseziel anfühlen, sondern wie ein Teil von einem selbst.
Manchmal beginnt eine Tour schon mit der ersten Fehlentscheidung.
Als ich im April 2025 früh morgens in Brilon aus dem Auto stieg, zeigte sich schnell, dass die Wettervorhersage zwar recht behalten würde, allerdings nur für den späteren Verlauf des Tages. Auf den Wiesen lag noch Frost und die Temperaturen bewegten sich nur knapp über dem Gefrierpunkt. Zu meinem Entsetzen stellte ich außerdem fest, dass ich weder Jacke noch Weste, Armlinge oder Beinlinge eingepackt hatte. Für eine Tour von über 100 Kilometern nicht gerade die beste Ausgangslage.
Also blieb nur eine Option: Losfahren und hoffen, dass es schnell wärmer wird.
Die ersten Kilometer auf dem Möhnetalradweg waren entsprechend frisch. Der Fahrtwind brannte im Gesicht und selbst die dünnen Handschuhe boten nur wenig Schutz. Nach etwa zwölf Kilometern stand ich kurz davor, die Tour abzubrechen. Doch der Himmel war wolkenlos, die Sonne schien bereits kräftig und ich wusste, dass es im Laufe des Tages nur angenehmer werden konnte. Also fuhr ich weiter.
Zum Glück behielt ich recht. Mit jedem Kilometer gewann die Sonne an Kraft und allmählich verschwand die Kälte aus den Beinen. Der Möhnetalradweg führte durch kleine Ortschaften, vorbei an Feldern und durch eine ruhige, frühlingshafte Landschaft. Große Sehenswürdigkeiten gab es auf diesem Abschnitt nicht, dafür aber viele entspannte Kilometer auf einem hervorragend ausgebauten Radweg.
Nach rund 37 Kilometern erreichte ich schließlich den Möhnesee. Von dort an wurde die Tour zu einem echten Genuss. Die Wege entlang des Ufers waren ruhig, die Landschaft wunderschön und außer einigen Joggern war kaum jemand unterwegs. Während ich am Südufer entlangfuhr, spiegelte sich die Morgensonne auf der Wasseroberfläche und der See zeigte sich von seiner besten Seite.
Vorbei am Stockumer Damm, der Körbecker Brücke und der Delecker Brücke führte die Strecke einmal rund um den See. Besonders die Staumauer blieb mir in Erinnerung. Dort stieg ich vom Rad, um den Ausblick in Ruhe zu genießen und einige Fotos zu machen. Manchmal lohnt es sich, nicht einfach weiterzufahren.
Am Nordufer erwartete mich dann das genaue Gegenteil der morgendlichen Ruhe. Hunderte Menschen standen an der Schiffsanlegestelle Schlange, während ich mich mit dem Fahrrad vorsichtig durch die Menschenmenge schob. Umso schöner war es, kurz darauf wieder allein auf dem Radweg unterwegs zu sein.
Inzwischen waren die Temperaturen längst zweistellig geworden und sogar die Zehenwärmer konnten entsorgt werden. Zum ersten Mal an diesem Tag dachte ich bewusst daran, wie froh ich war, die Tour nicht abgebrochen zu haben.
Nach der vollständigen Umrundung des Möhnesees begann der Rückweg nach Brilon. Die Strecke war dieselbe wie auf dem Hinweg, fühlte sich nun aber völlig anders an. Das leichte Gefälle vom Morgen war einem kaum sichtbaren, aber stetigen Anstieg gewichen. Gleichzeitig machten sich die Folgen einer etwas zu sparsamen Verpflegung bemerkbar. Die letzten Kilometer wurden deutlich anstrengender als geplant.
Als ich schließlich wieder am Bahnhof in Brilon ankam, warteten im Kofferraum bereits Bananen und ein kühles Getränk auf mich. Während ich in der Sonne saß und langsam wieder zu Kräften kam, war die Kälte des Morgens längst vergessen.
Geblieben war das gute Gefühl, trotz eines frostigen Starts durchgehalten zu haben – und die Erinnerung an eine der schönsten Seerunden, die ich bisher gefahren bin.
Ja, was war das denn heute? Ich weiß nicht... liegt es am Wetter oder an der Jahreszeit? Das war für mich heute die landschaftlich schönste Asphalt-Tour überhaupt und jetzt schon mein Highlight für 2026. Dazu kommt dann auch noch die sagenhafte Abfahrt nach Hillentrup, die ich auch noch nicht kannte. Das hat heute echt Spaß gemacht. Ausführlicher Bericht folgt...
Da wollte ich mal die neue Komoot Funktion nutzen und Gipfel sammeln, die ich bisher noch nicht erklommen hatte. Leider existierten einige der Wege im Wald nicht mehr. Und so wurde es ein wenig zur Hike and Bike Tour. Ausführlicher Bericht folgt...
Das Matschfuß Event von Lasse und Hannes vom Plattfuß-Podcast ist wirklich DAS Gravel-Event in Kiel und Kieler Umland. Ausführlicher Bericht folgt...
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